1843 ist in Stein gemeißelt und das Badische Wappen gleich obenauf. So sehen die Grenzsteine der Gemarkung vom Unterhof aus!
Durch Unterholz und Dornengestrüpp, modrigen Untergrund und Schnakenpfützen führt der Weg entlang der Steine um den Unterhof. Nicht geeignet für Kinderwägen und Leichtsandalen! Kein Grund für den Heimatverein Unterhof eine solche Gemarkungswanderung nicht zu unternehmen. Mit professioneller Vorbereitung und ausgeklügeltem Streckenablauf war diese Wanderung für Bollerwagen und Einsitzer nebst Fußvolk gut zu meistern. Statt fand dieses Ereignis am Sonntag, den 11. Juni. Los ging es vom Unterhof durch den Wald zum Horrenberger Friedhof, durch das Tal beim Reiterverein in Richtung Jägerhäusle.
Schon hier gab es den ersten Abstecher zum Kirchenrückwald um zwei der versteckten Gemarkungssteine im Wald zu erspähen. Auch die Geschichte über das Schinderhäusle, das nicht weit davon im Wald lag wurde hier erzählt. Ein wenig gruselig war das schon, doch eine einfache und sinnvolle Entsorgung von verendeten Haustieren an die Wildtiere des Waldes. Weiter ging es am Ende des Tales hinein in den Wald und vorbei an den sieben Klingen hinauf zum Weg zur alten Buche.
Am Wegesrand gab es manche Pflanzen, Schmetterlinge und anderes Getier, das zu einer gemeinsamen, überwiegend erfolgreichen Bestimmung herhalten musste. Noch vor der alten Buche konnte dann auch ein gut erhaltener, freistehender Gemarkungsstein von allen Seiten begutachtet werden. Das große ZH in Richtung Zuzenhausen zeigte hier ganz klar wo die Grenze damals lag. Wer jetzt wohl den Wald bewirtschaften darf in heutiger Zeit rechts und links der Steine war trotz heftiger Diskussionen nicht so ganz zu klären. Es war ein heißer, schwüler Tag, den sich die über 40 köpfige Wandergesellschaft da für ihre Unternehmung ausgesucht hatte. So war die kühle Erfrischung samt Brezel nach der Buche im schattigen Wald vor dem Abstieg über den Ochsenwiesenweg bei allen Beteiligten sehr willkommen. Wolfgang Laier war dafür verantwortlich. Er brachte auch vorübergehend Gehbehinderte mit zum Pausenstopp und nahm die ersten Ausfälle mit zurück ins Dorf. Weiter ging es nach dem Boxenstopp hinunter zum Bruchweg, an dessen Wegrand wieder die alten Steine den Verlauf der Gemarkungsgrenze anzeigten. Hier wurden auch schon die ersten Ausfälle wieder durch entgegenkommende Verspäter ersetzt. So blieb die Anzahl der Wanderer auf gleich bleibend hohem Niveau. Auf dem Weg entlang des Krebsbaches im kühlen Wald ging es zurück ins Dorf, das in der sommerlichen Mittagshitze lag. So mancher dachte, oh und nun der Abschluss unter Sonnenschein wird keine besonderes Erlebnis sein. Die Überraschung war umso größer als die ganze Gesellschaft in der luftig kühlen Maschinenhalle von Rainer Laier einkehren konnte. Erfrischend zog eine leichte Brise vom nahen Wald her durch die einladende Halle.
Die Tische waren geschmückt mit kleinen Sträußen von Blumen der Feldflur. Große bunte Sträuße mit Kornblumen, Klatschmohn und weiteren Sommerblumen standen auf den Tischen, auf denen das schmackhafte Vesper angerichtet war. Kaffee und Kuchen rundete das Ganze ab. Die Gesellschaft glich einem Gemälde, das irgendwo als alter Schinken an einer Wand hängt. Für die Kleinen unter den Großen gab es hier, nach dem Geschaukel im Leiter- oder Kinderwagen durch den Wald, Raum und Zeit zum Spielen. Die Wasserpfützen vom letzten Regen waren dafür bestens geeignet.
Faszinierend zu beobachten war für die Kinder das Vogelnest an dem die Vogeleltern ihre Jungen fütterten während zu ihren Füßen eine bunte Wandergesellschaft gemütlich beisammen saß und sich noch die Erzählung über den Unterhof, seine Geschichte und den Kraichgau anhörte:
“Im Übrigen ist der Kraichgau so abwechslungsreich durch Berge, Weingärten, Felder, Wiesen und Wälder, dass er nicht nur, was zum Leben der Menschen und Tiere nötig ist, reichlich und in Fülle zur Verfügung stellt, sondern er ist so, dass die größte Lieblichkeit der ganzen Landschaft wie eines ewigen Gartens denen, die ihn betrachten, einen Genuss wundervoller Lust gewährt.
Der Charakter der Menschen ist nicht abschreckend, sie sind nicht widerspenstig, nicht ungehobelt, vielmehr voll Disziplin, Tüchtigkeit und bildungsfähig und vor allem wohltätig und leutselig.
Verantwortlich für das Gelingen dieser Wanderung nebst Abschluss war vor allem Wilhelm Fuchs, der im Unterholz nach den alten Steinen suchte, und seine Frau Ursel, die mit Wolfgang Laier für das Blumen geschmückte Ambiente gesorgt hatte. Danke an alle, die zum Gelingen dieser Wanderung samt Abschluss beigetragen haben.
G. Krewing-Rambausek