Jedes Jahr um das gleiche Datum ziehen wir mit Laternen, mit Ross und Reiter singend durch das Dorf und durch den Wald. Ist uns noch so richtig bewusst warum wir das tun? Wissen wir noch wie es war damals in der kalten Nacht mit Schnee und eisigem Wind. Da war ein armer Mann, ein Bettler in Lumpen gekleidet. Da war ein Soldat, Martin, ein römischer Offizier. Damals wurde ein Mantel geteilt mit einem Schwert. Ein Wunder, ein Zeichen erschien. Aus dem Soldat wurde ein Mönch, ein Priester, ein Bischoff, ein Heiliger, der Heilige St. Martin. Übrig davon blieb das Teilen, das Helfen, das Geben, das Schenken! All dies können wir auch heute noch tun, groß und klein, und wir machen es auch oft ganz unbewusst. Spielsachen teilen mit den Freunden. Die Schaukel teilen wie Frieda und Alexander das tun und gemeinsam Freude haben, gemeinsam lachen. Eine Tür aufhalten um jemanden hindurch zu lassen, der beide Hände bepackt hat. Eine Tür aufmachen um jemanden einzulassen in mein Haus. Den Einkauf für die Nachbarin mitbringen wenn diese krank ist. Zeit haben für einen Menschen, dem es gerade schlecht geht. Ein Lächeln schenken. Dinge hergeben, die man nicht mehr braucht, nicht mehr benutzt, weil wir so viel davon haben. Gerade jetzt wo so viele Menschen, viele Kinder zu uns kommen, die nichts mehr haben, die alles verloren haben. Die Gummibärchen teilen und die Schokolade. Mit Helene und Annegret die letzten drei roten Erdbeeren teilen. Danke sagen, den Menschen, die immer für uns da sind, der Mama, dem Papa, der Oma, dem Opa, den Geschwistern, den Freunden , die ihre Liebe mit uns teilen, die alles für uns geben.
Mit diesen Gedanken, das Licht der Laternen teilend führte der Weg durch den Wald zurück ins Dorf zu Kinderpunsch und Honigglühwein, zu Martinsbrezel und beisammen sein.
G. Krewing-Rambausek